Routerzwang soll im Herbst 2014 enden

Wie Golem.de berichtet, soll der Routerzwang durch eine Transparenzverordnung der Bundesnetzagentur im Herbst 2014 wegfallen. Eine gute Nachricht für alle DSL-Kunden?

Der Entwurf der Transparenzverordnung ist bereits im Februar 2014 veröffentlicht worden. Provider sollen demnach in Zukunft dazu verpflichtet werden, Username und Passwort für den DSL-Zugang den Kunden bereit zu stellen, damit man selbst einen passenden Router auswählen kann. Leider sieht der Entwurf zwar vor, dass die Provider die Daten bereitstellen müssen, aber nur auf Anfrage durch den Kunden – das macht den Ablauf unnötig kompliziert.

Obwohl die Neuerung, die im Sinne der Kunden ist, vor der Tür steht, machen die Provider derzeit noch weiter wie bisher: Téléfonica zum Beispiel liefert nur Leihrouter mit einem Start-PIN aus, wodurch dann eine automatische Konfiguration gestartet wird. Freie Geräte werden nicht an den o2-Anschlüssen unterstützt, da laut Anbieter nicht gewährleistet sein kann, dass alle Funktionen genutzt werden können. Anscheinend nimmt es nicht jeder Provider mit den Standards so genau – sonst dürfte es keine Probleme mit freien Geräten geben.

Große Koalition gegen Zwangsrouter

Heute ist der Koalitionsvertrag der großen Koalition zwischen CDU/CSU und SPD veröffentlicht worden, neben vielen anderen Themen gibt es darin auch Absichtserklärungen zum Thema Routerzwang: die kommende Regierung spricht sich klar gegen den Routerzwang aus.

Konkret steht im Koalitionsvertrag, der auf der Webseite der CDU zu finden ist:

„Wir wollen eine gesetzliche Klarstellung für den Netzzugang von Telekommunikationsanbietern. Nutzerinnen und Nutzer müssen die freie Auswahl an Routern behalten. Daher lehnen wir den Routerzwang ab. Die zur Anmeldung der Router (TK- Endeinrichtungen) am Netz erforderlichen Zugangsdaten sind den Kundinnen und Kunden unaufgefordert mitzuteilen.“

Damit scheint die neue Regierung eine etwas andere Richtung einschlagen wollen als die bisherige, die die Zwangsrouter, die von immer mehr Unternehmen eingesetzt werden, nicht zum Thema machen wollte. In Zukunft soll also sichergestellt sein, dass der Kunde die Zugangsdaten zu seinem Anschluss ohne Probleme bekommt und einen eigenen Router verwenden kann. Support muss der Anbieter dafür dann zwar nicht leisten, aber die Möglichkeit zu haben ist schon einmal gut. Bei Internet-Anschlüssen die über Kabelanschlüsse realisiert sind scheint die Regelung aber nicht zu gelten – extra freizuschaltendes WLAN scheint also hier weiterhin möglich zu sein.

Viel Widerstand gegen Zwangsrouter

Laut Golem.de besteht eine breite Front gegen Zwangsrouter: neben 19 Herstellern von Routern nimmt auch der Chaos Computer Club (CCC) in einer zehnseitigen Stellungnahme eine Position gegen Routerzwang ein. Der CCC sieht die Problematik, dass vom Provider vorgegebene Router bei einem Providerwechsel nicht mehr zu gebrauchen sind und bringt damit eine ökologische Komponente in die Diskussion: wenn ein Router weiter verwendet werden kann, entsteht weniger Abfall.

Die TK-Hersteller argumentieren, dass die TAE-Buchse als standardisierter Netzabschluss bewährt sei und eine Abschaffung dieses Standards nur zur einer Zersplitterung des DSL-Marktes führen würde.

Abgesehen von der Diskussion über den Netzabschluss für Telefon-Leitungen sind Zwangsrouter aber auch bei Kabelanbietern ein Problem. So lässt es sich Kabel Deutschland extra bezahlen, die eigentlich in der Hardware vorhandene WLAN-Funktion zu aktivieren – außerdem sind nur bestimmte Geräte von den jeweiligen Kabelnetzbetreibern zugelassen, sodass die Anschaffung eines womöglich besseren Modems/Endgerät nicht umzusetzen ist. Hier bleibt nur, das vorgegebene Gerät in den „Bridge“-Modus zu versetzen und selbst dahinter eine FritzBox oder anderen Router zu betreiben.

Anhörung der BNetzA zum Routerzwang

Bis zum 06. November hat man noch die Gelegenheit, sich bei einer Anhörung der Bundesnetzagentur (BNetzA) zum Thema Routerzwang zu äußern. Dabei sollen sowohl Provider, Routerhersteller als auch die Öffentlichkeit gehört werden. Grundlage der Stellungnahmen bietet ein PDF, welches von der BNetzA bereit gestellt wurde: Mitteilung 398 / 2013.

Eine Entscheidung über den Punkt des Netzabschluss ist sowohl für Endkunden als auch für Routerhersteller wie AVM sehr wichtig. Aus Endkunden-Sicht ergeben sich Haftungsfragen (wer Haftet, wenn ein vom Provider vorgegebener Router aufgrund nicht behobener Sicherheitslücken gehackt wird?), aus Sicht von AVM und anderen Routerherstellern besteht die Gefahr eines Monopols, wenn ein Hersteller von Providern bevorzugt wird (und das müssen nicht die tendenziell teureren Modelle von AVM sein). Außerdem gibt es jetzt schon Fälle, in denen Provider die ausgelieferten Geräte in ihrem Funktionsumfang beschneiden bzw. Updates mit neuen Funktionen nur verzögert oder gar nicht zum Kunden bringen.

Ebenfalls problematisch: durch die vom Provider vorgegebene Konfiguration hätte dieser womöglich auch Zugriff auf das Heimnetzwerk des Kunden – das befürchtet jedenfalls die Free Sofware Foundation Europe laut Golem.de.

Was ist Routerzwang?

Routerzwang oder Zwangsrouter bezeichnet den Trend, dass immer mehr Internet-Anbieter dem Kunden vorschreiben, welchen Router sie einsetzen – einfach ein Gerät im freien Handel kaufen und entsprechend der eigenen Wünsche benutzen ist dabei nicht vorgesehen.

Dieser Blog soll zum einen die Entwicklung mit zu verfolgen (auch für die Bundesnetzagentur bzw. die EU ist es ein Thema) und zum anderen Möglichkeiten zeigen, wie man die Vorgaben der Provider umgehen kann und trotzdem an die Login-Daten kommt. Außerdem werden Provider aufgelistet, die dem Kunden die Wahl des Endgeräts lassen.

Die Inhalte werden nach und nach aufgebaut – Feedback an fjeromin [ät] routerzwang.de ist gerne willkommen. Wer selbst Tipps hat und sie Teilen will ist gerne eingeladen, sich in diesem Blog zu beteiligen.

Zu guter letzt: routerzwang.de ist privat betrieben ohne kommerziellen Hintergrund – Werbebanner wird man hier also nicht sehen.

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