Gesetz gegen Routerzwang soll 2015 kommen

Nachdem die Transparenz-Verordnung kein probates Mittel gegen den Routerzwang ist, soll es jetzt im Frühjahr 2015 ein entsprechendes Gesetz geben.

Das erklärte das Bundeswirtschaftsministerium gegenüber Golem.de. Demnach muss im Telekommunikationsgesetz ein „Netzabschlusspunkt“ festgelegt werden – derzeit sehen die Telekommunikations-Anbieter den Router als Netzabschlusspunkt, der nicht ausgetauscht werden darf (=Routerzwang). Die Gesetzesänderung muss die TAE-Buchse als Netzabschlusspunkt festlegen, damit ein Routerzwang wirksam unterbinden wird. Für Kabel-Provider muss entsprechend die Kabel-Buchse in der Wohnung als Netzabschluss definiert werden.


Viel Widerstand gegen Zwangsrouter

Laut Golem.de besteht eine breite Front gegen Zwangsrouter: neben 19 Herstellern von Routern nimmt auch der Chaos Computer Club (CCC) in einer zehnseitigen Stellungnahme eine Position gegen Routerzwang ein. Der CCC sieht die Problematik, dass vom Provider vorgegebene Router bei einem Providerwechsel nicht mehr zu gebrauchen sind und bringt damit eine ökologische Komponente in die Diskussion: wenn ein Router weiter verwendet werden kann, entsteht weniger Abfall.

Die TK-Hersteller argumentieren, dass die TAE-Buchse als standardisierter Netzabschluss bewährt sei und eine Abschaffung dieses Standards nur zur einer Zersplitterung des DSL-Marktes führen würde.

Abgesehen von der Diskussion über den Netzabschluss für Telefon-Leitungen sind Zwangsrouter aber auch bei Kabelanbietern ein Problem. So lässt es sich Kabel Deutschland extra bezahlen, die eigentlich in der Hardware vorhandene WLAN-Funktion zu aktivieren – außerdem sind nur bestimmte Geräte von den jeweiligen Kabelnetzbetreibern zugelassen, sodass die Anschaffung eines womöglich besseren Modems/Endgerät nicht umzusetzen ist. Hier bleibt nur, das vorgegebene Gerät in den „Bridge“-Modus zu versetzen und selbst dahinter eine FritzBox oder anderen Router zu betreiben.

Anhörung der BNetzA zum Routerzwang

Bis zum 06. November hat man noch die Gelegenheit, sich bei einer Anhörung der Bundesnetzagentur (BNetzA) zum Thema Routerzwang zu äußern. Dabei sollen sowohl Provider, Routerhersteller als auch die Öffentlichkeit gehört werden. Grundlage der Stellungnahmen bietet ein PDF, welches von der BNetzA bereit gestellt wurde: Mitteilung 398 / 2013.

Eine Entscheidung über den Punkt des Netzabschluss ist sowohl für Endkunden als auch für Routerhersteller wie AVM sehr wichtig. Aus Endkunden-Sicht ergeben sich Haftungsfragen (wer Haftet, wenn ein vom Provider vorgegebener Router aufgrund nicht behobener Sicherheitslücken gehackt wird?), aus Sicht von AVM und anderen Routerherstellern besteht die Gefahr eines Monopols, wenn ein Hersteller von Providern bevorzugt wird (und das müssen nicht die tendenziell teureren Modelle von AVM sein). Außerdem gibt es jetzt schon Fälle, in denen Provider die ausgelieferten Geräte in ihrem Funktionsumfang beschneiden bzw. Updates mit neuen Funktionen nur verzögert oder gar nicht zum Kunden bringen.

Ebenfalls problematisch: durch die vom Provider vorgegebene Konfiguration hätte dieser womöglich auch Zugriff auf das Heimnetzwerk des Kunden – das befürchtet jedenfalls die Free Sofware Foundation Europe laut Golem.de.

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